Neben der Geschichte der Verfahren steht die Geschichte derer, die das Metall verarbeiten. Sie ist eine Geschichte der Arbeitsteilung.
Zünfte und Spezialisierung
In den Städten des Mittelalters schlossen sich die Handwerker zu Zünften zusammen. In Augsburg sind Handwerksorganisationen schon im Stadtrecht von 1156 fassbar; die meisten Zünfte Oberdeutschlands treten im 14. Jahrhundert in Erscheinung.1 Aus dem Schmiedehandwerk lösten sich nach und nach spezialisierte Berufe: Hufschmiede, Messerer, Nagelschmiede und die Kleinschmiede oder Schlosser, die Schlösser, Beschläge und Gitter fertigten. Eine Ausnahme war Nürnberg, wo Zünfte nach dem Handwerkeraufstand von 1348/49 verboten waren und der Rat die Handwerke selbst beaufsichtigte; in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zählte man dort 114 Handwerke.2
Die Nürnberger Hausbücher
Wie die Arbeit aussah, zeigen die Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen. Seit 1425 wurde dort jeder verstorbene Bruder bei der Ausübung seines früheren Handwerks gemalt. Von 799 Bildern sind 773 erhalten, und das metallverarbeitende Gewerbe ist darin am stärksten vertreten.3
Schmied am Amboss. Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Nürnberg, um 1425 (Stadtbibliothek Nürnberg, Amb. 317.2°). Gemeinfrei.
Kunstschmiedearbeit am Bau
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde geschmiedetes Eisen zur Bauaufgabe ersten Ranges. Jean Tijou erhielt 1689 den Auftrag für die Gitter im Garten von Hampton Court.4 Jean Lamour schuf die vergoldeten Gitter der Place Stanislas in Nancy, die zwischen 1752 und 1756 angelegt wurde.5 In Würzburg begann der Hofschlosser Johann Georg Oegg 1735 das Ehrenhofgitter der Residenz und fertigte 1750/51 das Greiffenclau-Tor am Hofgarten.6
Gewerbefreiheit und Handwerksordnung
Mit dem preußischen Gewerbesteueredikt vom 2. November 1810 erloschen die Vorrechte der Zünfte.7 Die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes von 1869 galt ab 1871 im ganzen Reich. 1897 schuf eine Novelle die Grundlage für die Handwerkskammern, 1908 folgte der kleine, 1935 der große Befähigungsnachweis.8 Die Handwerksordnung der Bundesrepublik stammt vom 17. September 1953.9
Der Metallbauer
1989 wurden die handwerklichen Metallberufe neu geordnet. Die alten Ausbildungsberufe Schlosser und Schmied wurden aufgehoben; an ihre Stelle trat der Metallbauer, zunächst mit fünf Fachrichtungen, seit 2002 mit drei, darunter Konstruktionstechnik und Metallgestaltung.9
Dieser Beitrag vertieft einen Abschnitt der Geschichte der Metallverarbeitung.
Quellen
- Diefenbacher, M.: Nürnberg, Reichsstadt: Handwerk. Historisches Lexikon Bayerns. historisches-lexikon-bayerns.de
- Sczesny, A.: Zünfte. Historisches Lexikon Bayerns. historisches-lexikon-bayerns.de
- Sauer, Chr.: Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen. Historisches Lexikon Bayerns. historisches-lexikon-bayerns.de
- Elkar, R. S.: Handwerkskammern (bis 1945). Historisches Lexikon Bayerns. historisches-lexikon-bayerns.de
- Radtke, W.: Die Einführung der allgemeinen Gewerbefreiheit 1810. Historische Kommission zu Berlin. hiko-berlin.de
- Bundesagentur für Arbeit: Berufsinformation Metallbauer/in (Archiv). arbeitsagentur.de
- The Art Newspaper: Hampton Court Palace’s Tijou screens (16. Dezember 2021). theartnewspaper.com
- UNESCO: Place Stanislas, Place de la Carrière and Place d’Alliance in Nancy. whc.unesco.org
- Friedrich, V.: Oegg, Johann Georg. Neue Deutsche Biographie (1999). deutsche-biographie.de
Einzelnachweise
Die Kurzangaben verweisen auf die vollständigen Titel unter „Quellen“.
Footnotes
-
Sczesny, Historisches Lexikon Bayerns. ↩
-
Diefenbacher, Historisches Lexikon Bayerns. ↩
-
Sauer, Historisches Lexikon Bayerns. ↩
-
The Art Newspaper, 16. Dezember 2021. ↩
-
UNESCO, Welterbeliste Nr. 229. ↩
-
Friedrich, Neue Deutsche Biographie. ↩
-
Radtke, Historische Kommission zu Berlin. ↩
-
Elkar, Historisches Lexikon Bayerns. ↩
-
Bundesagentur für Arbeit, Berufsinformation Metallbauer/in. ↩ ↩2