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Ratgeber · Verbindungstechnik

Schraubverbindungen im Metallbau: Warum wir auf der Baustelle schrauben

Bei der Montage von verzinkten und beschichteten Bauteilen sind Schraubverbindungen dem Schweißen vor Ort meist überlegen: Der Korrosionsschutz bleibt unbeschädigt, die Fassade bleibt sauber, und die Konstruktion lässt sich später anpassen oder austauschen. Entscheidend sind die richtige Festigkeitsklasse, das korrekte Anzugsmoment und die Trennung unterschiedlicher Metalle.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Vorteile der Schraubmontage

  • Korrosionsschutz bleibt erhalten: Verzinkte und pulverbeschichtete Bauteile kommen fertig auf die Baustelle. Geschraubt wird ohne Hitze – die Schutzschicht bleibt intakt.
  • Saubere Montage: Kein Funkenflug, keine Schweißperlen auf Fassade, Fenstern und Belägen.
  • Anpassbar: Geschraubte Konstruktionen lassen sich justieren, erweitern oder einzelne Teile austauschen – etwa ein Glasfeld.
  • Wetterunabhängig: Schrauben braucht kein Schutzgas und funktioniert auch bei Wind.

Worauf es technisch ankommt

Festigkeitsklasse

Für Stahlkonstruktionen verwenden wir Schrauben der Festigkeitsklasse 8.8, für hoch belastete Verbindungen hochfeste HV-Schrauben der Klasse 10.9. Bei Edelstahl kommen A2- (innen) und A4-Schrauben (außen) zum Einsatz.

Was die Zahlen bedeuten: Die erste Zahl mal 100 ist die Zugfestigkeit in N/mm², das Produkt beider Zahlen mal 10 die Streckgrenze.

Bezeichnung Zugfestigkeit Streck- bzw. Dehngrenze Einsatz
4.6 400 N/mm² 240 N/mm² untergeordnete Verbindungen
8.8 800 N/mm² 640 N/mm² Standard im Stahl- und Metallbau
10.9 1.000 N/mm² 900 N/mm² hochfeste, vorgespannte Verbindungen (HV)
A2-70 700 N/mm² 450 N/mm² Edelstahl, innen und geschützt außen
A4-70 700 N/mm² 450 N/mm² Edelstahl, außen, Streusalz, Pool

Zur Schraube gehört die passende Mutter: zu 8.8 eine Mutter der Klasse 8, zu 10.9 eine der Klasse 10. HV-Garnituren (Schraube, Mutter, Scheiben) werden nur als zusammengehöriger Satz eines Herstellers verbaut.

Die richtige Länge

Eine Schraube ist richtig lang, wenn das Gewinde nach dem Anziehen ein bis drei Gänge über die Mutter hinaussteht – dann tragen alle Gänge der Mutter. Zu kurz trägt nicht voll, zu lang stört und kann bei Schrauben mit Schaft sogar verhindern, dass die Mutter anzieht. Wie man die Länge aus Bauteilen, Scheiben und Mutter bestimmt, steht im Ratgeber Schraubenlänge bestimmen.

Sichern gegen Lösen

Die beste Sicherung ist eine ausreichend vorgespannte Schraube mit genügend Klemmlänge. Wo Schwingungen oder Lastwechsel auftreten, helfen Sicherungsmuttern mit Klemmteil, Keilsicherungsscheiben oder eine Kontermutter. Federringe und Zahnscheiben gelten bei Schrauben ab Festigkeitsklasse 8.8 als wirkungslos; die Normen dafür wurden zurückgezogen.

Anzugsmoment

Eine Schraube darf weder zu locker noch zu fest sitzen. Tragende Verbindungen ziehen wir mit Drehmomentschlüssel an, damit die vorgesehene Vorspannkraft erreicht wird und sich die Verbindung durch Lastwechsel nicht lockert.

Kontaktkorrosion

Wo Edelstahl auf verzinkten Stahl trifft, trennen wir die Metalle mit isolierenden Scheiben und Hülsen. Mehr dazu im Ratgeber Werkstoffe.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Warum nicht einfach vor Ort schweißen?

Schweißen zerstört an der Naht die Verzinkung und Beschichtung – diese Stellen rosten später zuerst. Außerdem gefährden Funkenflug und Schweißperlen Fassade, Fenster und Belag.

Welche Schrauben kommen bei Edelstahl zum Einsatz?

Edelstahlschrauben der Klasse A2 für innen und A4 für außen – passend zum Werkstoff des Bauteils, damit keine Kontaktkorrosion entsteht.

Kann sich eine Schraubverbindung lockern?

Nicht, wenn sie mit dem richtigen Anzugsmoment und passender Sicherung montiert ist. Wir ziehen tragende Verbindungen mit Drehmomentschlüssel an.

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