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Ratgeber · Werkstattwissen · Verbindungstechnik

Schraubenlänge bestimmen: so wird gerechnet

Die Länge einer Durchsteckschraube ergibt sich aus der Klemmlänge plus Mutterhöhe plus Überstand. Die Klemmlänge ist alles, was zwischen Kopf und Mutter liegt: Bauteile, Scheiben, Sicherungsscheibe. Als Überstand gelten zwei Gewindegänge als gutes Maß. Gewählt wird die nächstlängere Normlänge. Für zwei Bleche von 10 und 8 mm mit Scheiben DIN 125 und Mutter DIN 934 ist das bei M12 eine Schraube M12 × 40.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Die Rechnung für Schraube und Mutter

  1. Klemmlänge zusammenzählen: Bauteile + Scheibe unter dem Kopf + Scheibe unter der Mutter + Sicherungsscheibe.
  2. Mutterhöhe dazunehmen.
  3. Überstand addieren: Zahl der Gänge × Steigung.
  4. Auf die nächste Normlänge aufrunden.

Beispiel M12, Bleche 10 und 8 mm, Scheiben DIN 125 (je 2,5 mm), Mutter DIN 934 (10 mm), zwei Gänge (2 × 1,75 mm): 23 + 10 + 3,5 = 36,5 mm → M12 × 40. Das Gewinde steht dann 7 mm über.

Verbindung Klemmlänge Schraube Überstand
M8, Bleche 5 + 5, Scheiben DIN 125 13,2 mm M8 × 25 5,3 mm
M10, Bleche 8 + 6, Scheiben, Federring, Sicherungsmutter 20,2 mm M10 × 35 4,8 mm
M12, Bleche 10 + 8, Scheiben DIN 125 23,0 mm M12 × 40 7,0 mm
M16, Bleche 20 + 15, große Scheiben, Mutter + Kontermutter 41,0 mm M16 × 70 8,0 mm
Schnitt durch eine Schraubverbindung M12: Scheibe, Bleche 10 und 8 mm, Scheibe und Mutter – Klemmlänge 23 mm, Nennlänge 40 mm, Überstand 7 mm
Das Beispiel M12 im Schnitt: Die Klemmlänge reicht von der Unterseite des Kopfs bis zur Mutter.

Was die einzelnen Teile auftragen

Gewinde Steigung Scheibe DIN 125 Mutter DIN 934 Sicherungsmutter DIN 985
M6 1,0 mm 1,6 mm 5 mm 6 mm
M8 1,25 mm 1,6 mm 6,5 mm 8 mm
M10 1,5 mm 2 mm 8 mm 10 mm
M12 1,75 mm 2,5 mm 10 mm 12 mm
M16 2,0 mm 3 mm 13 mm 16 mm
M20 2,5 mm 3 mm 16 mm 20 mm

Große Scheiben nach DIN 9021 sind etwas dicker, ISO-Muttern etwas höher als DIN-Muttern. Bei knappen Verhältnissen entscheidet das über die nächste Längenstufe.

Schaft oder Vollgewinde

Sechskantschrauben nach DIN 931 haben einen glatten Schaft und nur am Ende Gewinde – bis 125 mm Länge sind es 2 × Durchmesser + 6 mm. Die Mutter kann nur so weit drehen, wie Gewinde vorhanden ist. Ist das Klemmpaket dünner als der Schaft, zieht die Mutter nicht an. Dann ist die Vollgewindeschraube nach DIN 933 richtig. Umgekehrt ist der Schaft von Vorteil, wenn die Schraube auf Abscheren belastet wird: Dann sollte kein Gewinde in der Scherfuge liegen.

Sonderfälle

  • Senkschrauben: Die Länge zählt ab Bauteiloberfläche, unter dem Kopf liegt keine Scheibe. Das erste Bauteil muss mindestens so dick sein wie der Kopf hoch ist.
  • Hutmuttern: Die Schraube endet in der Mutter. Sie muss lang genug sein, um die tragende Höhe auszufüllen, darf aber nicht am Hutboden anstoßen. Das Fenster dafür ist nur wenige Millimeter breit – oft hilft eine zusätzliche Scheibe.
  • Aufgeschweißte Muttern: Auf der Mutterseite gibt es weder Scheibe noch Sicherung. Im Hohlprofil begrenzt der Raum hinter der Mutter die Länge.
  • Schrauben in Gewinde: Statt der Mutter zählt die Einschraubtiefe – in Stahl etwa das 1,0-Fache des Durchmessers, in Gusseisen das 1,25-Fache, in Aluminium das 2,0-Fache. Im Sackloch muss Luft bis zum Gewindegrund bleiben.

Wenn die Längenstufe nicht passt

Normlängen springen in Stufen. Liegt der Bedarf knapp über einer Stufe, gibt es drei Auswege: eine dünnere Scheibe, eine niedrigere Mutter oder einen Gang weniger Überstand. Liegt er knapp darunter und die Schraube stünde weit über, hilft eine zusätzliche Scheibe nicht – dann bleibt die längere Schraube die richtige.

Länge ist nicht Tragfähigkeit

Die passende Länge sagt nichts darüber, ob die Verbindung hält. Festigkeitsklasse, Vorspannung und Anziehmoment werden gesondert festgelegt; die Grundlagen stehen im Ratgeber Schraubverbindungen im Metallbau.

Für eigene Kombinationen aus Scheiben, Sicherung und Mutter rechnet der Schraubenlängen-Rechner; er zeigt auch, welche Normteile es je Gewinde gibt.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was ist die Klemmlänge?

Die Dicke aller Teile, die die Schraube zusammenpresst – gemessen von der Auflage des Kopfes bis zur Auflage der Mutter. Dazu zählen Bauteile, Futterbleche, Scheiben und Sicherungsscheiben, nicht aber die Mutter selbst.

Wie viel Gewinde muss aus der Mutter herausschauen?

Mindestens ein voller Gang, damit alle Gänge der Mutter tragen; zwei Gänge sind in der Werkstatt üblich. Bei Sicherungsmuttern mit Kunststoffring muss das Gewinde den Ring ganz durchdringen.

Darf eine Schraube zu lang sein?

Für die Festigkeit schadet Überstand nicht. Er stört aber, kann verletzen und sieht unsauber aus. Kritisch wird es bei Schrauben mit Schaft, wenn die Mutter auf den gewindefreien Teil aufläuft, und bei Hutmuttern, in denen die Schraube aufsitzt.

Wie misst man eine Schraubenlänge?

Bei Sechskant- und Zylinderschrauben von der Unterseite des Kopfes bis zum Ende. Bei Senkschrauben zählt der Kopf mit, gemessen wird über die ganze Länge.

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