Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461
Beim Feuerverzinken wird das fertige Bauteil in ein Bad aus flüssigem Zink getaucht. Es entsteht eine fest mit dem Stahl verbundene Zinkschicht – auch in Hohlräumen und Ecken. Die Schichtdicke richtet sich nach der Materialstärke: bei Stahl über 6 mm meist mindestens 85 µm, bei 3 bis 6 mm etwa 70 µm. Auch Silizium- und Phosphorgehalt des Stahls beeinflussen das Schichtwachstum.
Pulverbeschichtung
Bei der Pulverbeschichtung wird ein lösungsmittelfreies Kunststoffpulver elektrostatisch aufgetragen und bei 160 bis 200 °C eingebrannt. Typische Schichtdicken liegen bei 60 bis 120 µm. Gegenüber Nasslack ist die Oberfläche schlagfester und chemisch beständiger. Für außen empfehlen wir hochwetterfeste Fassadenpulver mit guter UV-Stabilität.
Das Duplex-System
Duplex bedeutet: Feuerverzinkung plus Beschichtung. Die Schutzwirkung ist deutlich größer als die Summe beider Einzelschichten. Entscheidend ist die Vorbereitung: Die Zinkoberfläche wird durch Sweepen (leichtes Anstrahlen mit nicht-metallischem Strahlmittel) aktiviert, damit die Pulverschicht dauerhaft haftet. Maßgeblich sind die DIN EN ISO 12944 und für Pulverbeschichtungen auf Stahlbauten die DIN 55633.
Welcher Schutz für welchen Standort?
Die DIN EN ISO 12944 teilt Umgebungen in Korrosivitätskategorien ein:
| Kategorie | Umgebung | Empfehlung |
|---|---|---|
| C1–C2 | innen, trocken bis gering belastet | Pulverbeschichtung |
| C3 | Stadt- und Landatmosphäre, außen | Feuerverzinkung oder Duplex |
| C4–C5 | Industrie, Küste, Streusalz | Duplex-System |
Für Geländer, Treppen, Tore und Carports im Außenbereich in OWL setzen wir in der Regel auf Duplex – verzinkt und pulverbeschichtet in Ihrer Wunschfarbe.
Wie lange hält eine Verzinkung?
Zink schützt, indem es sich langsam selbst verbraucht. Wie schnell, hängt von der Umgebung ab. Die Normen nennen dafür den jährlichen Zinkabtrag je Korrosivitätskategorie:
| Kategorie | Zinkabtrag pro Jahr | 85 µm Zink halten rechnerisch |
|---|---|---|
| C2 | bis 0,7 µm | über 100 Jahre |
| C3 | 0,7 bis 2,1 µm | etwa 40 bis 120 Jahre |
| C4 | 2,1 bis 4,2 µm | etwa 20 bis 40 Jahre |
| C5 | 4,2 bis 8,4 µm | etwa 10 bis 20 Jahre |
Im ländlichen Ostwestfalen liegt man meist in C2 bis C3 – eine Feuerverzinkung überdauert dort in der Regel das Bauteil. Kommt eine Pulverschicht darüber, verlängert sich die Schutzdauer gegenüber der reinen Verzinkung um den Faktor 1,2 bis 2,5, weil die Beschichtung das Zink vor Abtrag schützt und das Zink ein Unterrosten der Beschichtung verhindert.
Verzinkungsgerecht konstruieren
Ein Bauteil muss für das Zinkbad gebaut sein. Hohlprofile brauchen Zulauf- und Entlüftungsbohrungen, damit das Zink hinein- und herausfließen kann und eingeschlossene Luft nicht zur Gefahr wird. Überlappungen und enge Spalte werden dicht geschweißt oder vermieden. Große, dünne Bleche können sich im 450 °C heißen Bad verziehen. Diese Punkte klären wir schon in der CAD-Planung – nachträglich lassen sie sich nicht mehr ändern.
Kleine Schäden ausbessern
Kratzer in der Pulverschicht sind bei einem Duplex-System kein Rostproblem: Darunter liegt Zink. Sie werden mit Reparaturlack im passenden RAL-Ton geschlossen. Fehlstellen in der Verzinkung selbst, etwa nach einem nachträglichen Bohren, bessert man mit Zinkstaubfarbe aus. Schnittkanten an verzinkten Blechen schützt das benachbarte Zink bis zu einer gewissen Breite mit.
Edelstahl braucht keine Beschichtung – aber Pflege
Edelstahl schützt sich durch eine hauchdünne Passivschicht selbst. Warum er trotzdem Rostflecken bekommen kann und wie man sie entfernt, steht im Ratgeber Edelstahl: Flugrost und Pflege.