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Ratgeber · Korrosionsschutz

Oberflächenveredelung: Welcher Korrosionsschutz hält wirklich?

Für Stahl im Außenbereich ist die Feuerverzinkung nach DIN EN ISO 1461 der Grundschutz. Kommt eine Pulverbeschichtung darauf, spricht man vom Duplex-System – es verbindet den Zinkschutz mit Farbe und hält deutlich länger als jede Schicht allein. Für Innenbereiche reicht meist eine reine Pulverbeschichtung.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461

Beim Feuerverzinken wird das fertige Bauteil in ein Bad aus flüssigem Zink getaucht. Es entsteht eine fest mit dem Stahl verbundene Zinkschicht – auch in Hohlräumen und Ecken. Die Schichtdicke richtet sich nach der Materialstärke: bei Stahl über 6 mm meist mindestens 85 µm, bei 3 bis 6 mm etwa 70 µm. Auch Silizium- und Phosphorgehalt des Stahls beeinflussen das Schichtwachstum.

Pulverbeschichtung

Bei der Pulverbeschichtung wird ein lösungsmittelfreies Kunststoffpulver elektrostatisch aufgetragen und bei 160 bis 200 °C eingebrannt. Typische Schichtdicken liegen bei 60 bis 120 µm. Gegenüber Nasslack ist die Oberfläche schlagfester und chemisch beständiger. Für außen empfehlen wir hochwetterfeste Fassadenpulver mit guter UV-Stabilität.

Das Duplex-System

Duplex bedeutet: Feuerverzinkung plus Beschichtung. Die Schutzwirkung ist deutlich größer als die Summe beider Einzelschichten. Entscheidend ist die Vorbereitung: Die Zinkoberfläche wird durch Sweepen (leichtes Anstrahlen mit nicht-metallischem Strahlmittel) aktiviert, damit die Pulverschicht dauerhaft haftet. Maßgeblich sind die DIN EN ISO 12944 und für Pulverbeschichtungen auf Stahlbauten die DIN 55633.

Welcher Schutz für welchen Standort?

Die DIN EN ISO 12944 teilt Umgebungen in Korrosivitätskategorien ein:

Kategorie Umgebung Empfehlung
C1–C2 innen, trocken bis gering belastet Pulverbeschichtung
C3 Stadt- und Landatmosphäre, außen Feuerverzinkung oder Duplex
C4–C5 Industrie, Küste, Streusalz Duplex-System

Für Geländer, Treppen, Tore und Carports im Außenbereich in OWL setzen wir in der Regel auf Duplex – verzinkt und pulverbeschichtet in Ihrer Wunschfarbe.

Wie lange hält eine Verzinkung?

Zink schützt, indem es sich langsam selbst verbraucht. Wie schnell, hängt von der Umgebung ab. Die Normen nennen dafür den jährlichen Zinkabtrag je Korrosivitätskategorie:

Kategorie Zinkabtrag pro Jahr 85 µm Zink halten rechnerisch
C2 bis 0,7 µm über 100 Jahre
C3 0,7 bis 2,1 µm etwa 40 bis 120 Jahre
C4 2,1 bis 4,2 µm etwa 20 bis 40 Jahre
C5 4,2 bis 8,4 µm etwa 10 bis 20 Jahre

Im ländlichen Ostwestfalen liegt man meist in C2 bis C3 – eine Feuerverzinkung überdauert dort in der Regel das Bauteil. Kommt eine Pulverschicht darüber, verlängert sich die Schutzdauer gegenüber der reinen Verzinkung um den Faktor 1,2 bis 2,5, weil die Beschichtung das Zink vor Abtrag schützt und das Zink ein Unterrosten der Beschichtung verhindert.

Verzinkungsgerecht konstruieren

Ein Bauteil muss für das Zinkbad gebaut sein. Hohlprofile brauchen Zulauf- und Entlüftungsbohrungen, damit das Zink hinein- und herausfließen kann und eingeschlossene Luft nicht zur Gefahr wird. Überlappungen und enge Spalte werden dicht geschweißt oder vermieden. Große, dünne Bleche können sich im 450 °C heißen Bad verziehen. Diese Punkte klären wir schon in der CAD-Planung – nachträglich lassen sie sich nicht mehr ändern.

Kleine Schäden ausbessern

Kratzer in der Pulverschicht sind bei einem Duplex-System kein Rostproblem: Darunter liegt Zink. Sie werden mit Reparaturlack im passenden RAL-Ton geschlossen. Fehlstellen in der Verzinkung selbst, etwa nach einem nachträglichen Bohren, bessert man mit Zinkstaubfarbe aus. Schnittkanten an verzinkten Blechen schützt das benachbarte Zink bis zu einer gewissen Breite mit.

Edelstahl braucht keine Beschichtung – aber Pflege

Edelstahl schützt sich durch eine hauchdünne Passivschicht selbst. Warum er trotzdem Rostflecken bekommen kann und wie man sie entfernt, steht im Ratgeber Edelstahl: Flugrost und Pflege.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie dick ist eine Feuerverzinkung?

Nach DIN EN ISO 1461 bei Stahl über 6 mm Dicke mindestens etwa 85 µm, bei 3 bis 6 mm etwa 70 µm. Die tatsächliche Schichtdicke hängt auch von der Stahlzusammensetzung ab.

Was bringt das Duplex-System?

Die Kombination aus Feuerverzinkung und Beschichtung schützt deutlich länger als jede Schicht allein – der Zink schützt den Stahl, die Beschichtung schützt den Zink. Dazu kommt die freie Farbwahl.

Kann man verzinkten Stahl einfach lackieren?

Nur mit Vorbereitung. Die Zinkoberfläche muss gereinigt und leicht angestrahlt (Sweepen) werden, sonst haftet die Beschichtung nicht dauerhaft.

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