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Ratgeber · Landesbauordnung NRW § 38

Geländerhöhe: Diese Vorschriften gelten in NRW

Kurz gesagt: In NRW muss ein Geländer bei einer Absturzhöhe von 1 bis 12 m mindestens 90 cm hoch sein, darüber mindestens 110 cm. Öffnungen in der Füllung dürfen in mindestens einer Richtung nicht breiter als 12 cm sein. Gemessen wird senkrecht ab Oberkante des fertigen Belags.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Wann ist ein Geländer Pflicht?

Sobald eine begehbare Fläche unmittelbar an einen mehr als 1 Meter tiefer liegenden Bereich grenzt, schreibt die Landesbauordnung NRW eine Umwehrung vor – also ein Geländer oder eine Brüstung. Das betrifft typischerweise Balkone, Dachterrassen, Galerien, Treppen und bodentiefe Fenster.

Unterhalb von 1 Meter Absturzhöhe besteht keine generelle Pflicht. Aus Sicherheitsgründen – besonders mit Kindern im Haus – ist eine Sicherung dort aber oft trotzdem sinnvoll.

Mindesthöhen nach BauO NRW

Die erforderliche Höhe richtet sich nach der Absturzhöhe, also dem Abstand zwischen der begehbaren Fläche und dem darunterliegenden Boden:

Situation Absturzhöhe Mindesthöhe
Geländer / Umwehrung 1 m bis 12 m 90 cm
Geländer / Umwehrung über 12 m 110 cm
Fensterbrüstung bis 12 m 80 cm
Fensterbrüstung über 12 m 90 cm

Wird die Absturzsicherung im Wesentlichen durch ein Geländer erbracht, gelten die Geländerhöhen – nicht die niedrigeren Werte für reine Fensterbrüstungen.

Wo wird gemessen?

Die Geländerhöhe wird lotrecht gemessen – von der Oberkante des fertigen Fußbodens bis zur Oberkante des Handlaufs. Bei Treppen ist der Bezugspunkt die Vorderkante der Trittstufe.

Wichtig: Maßgeblich ist der fertige Belag. Planen Sie Fliesen, Dielen oder Terrassenplatten erst später, rechnen Sie die Aufbauhöhe von Anfang an ein – sonst ist das Geländer am Ende zu niedrig.

Stababstand und Leitereffekt

Damit kleine Kinder nicht hindurchrutschen oder hochklettern können, gelten Regeln für die Füllung:

  • Maximal 12 cm: Öffnungen in der Füllung dürfen in mindestens einer Richtung nicht breiter als 12 cm sein (sogenannte Kugelregel).
  • Maximal 4 cm seitlich: Der Zwischenraum zwischen Geländer und gesicherter Fläche darf höchstens 4 cm betragen.
  • Kein Leitereffekt: Waagerechte Streben, die als Kletterhilfe dienen, sind zu vermeiden.

Senkrechte Stäbe, Glasfüllungen oder Lochblech erfüllen diese Anforderungen besonders sicher. Die passende Stabanzahl für Ihr Feld berechnet der kostenlose Stababstand-Rechner.

Sonderfälle

Andere Bundesländer haben eigene Landesbauordnungen mit teils abweichenden Werten. In Arbeitsstätten und öffentlich genutzten Gebäuden können strengere Anforderungen gelten. Für Treppen ist zusätzlich die DIN 18065 maßgeblich. Im Zweifel gibt die örtliche Bauaufsicht verbindlich Auskunft.

Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick für Nordrhein-Westfalen (Stand: § 38 BauO NRW 2018) und ersetzt keine rechtliche oder statische Beratung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Ab welcher Höhe braucht man in NRW ein Geländer?

Sobald eine begehbare Fläche an eine mehr als 1 m tiefer liegende Fläche grenzt, ist eine Umwehrung Pflicht – also ein Geländer oder eine Brüstung.

Zählt der Bodenbelag bei der Geländerhöhe mit?

Ja. Gemessen wird ab Oberkante des fertigen Belags. Wer später Fliesen, Dielen oder einen Terrassenbelag aufbringt, muss diese Aufbauhöhe von Anfang an einrechnen.

Gilt die 12-cm-Regel auch für den Spalt unter dem Geländer?

Ja, auch der Abstand zwischen Unterkante Geländer und Boden bzw. Stufe sollte 12 cm nicht überschreiten, damit kein Kind hindurchrutschen kann.

Wie hoch muss eine Fensterbrüstung sein?

Bei Fensterbrüstungen gelten in NRW 80 cm bis 12 m Absturzhöhe und 90 cm darüber. Übernimmt ein Geländer die Absturzsicherung, gelten die Geländerhöhen von 90 bzw. 110 cm.

Gelten die Geländerhöhen auch für Treppen in NRW?

Ja. Auch an Treppen gelten 90 cm bis 12 m Absturzhöhe und 110 cm darüber. Gemessen wird senkrecht über der Vorderkante der Trittstufe. Zusätzlich regelt die DIN 18065 Handläufe und Abstände.

Wie hoch muss das Geländer auf einer Dachterrasse sein?

Auf Dachterrassen gelten dieselben Werte wie bei Balkonen: mindestens 90 cm bei bis zu 12 m Absturzhöhe, darüber 110 cm. Auf Flachdächern über mehreren Geschossen ist daher oft 110 cm nötig.

Was gilt in Arbeitsstätten?

In Arbeitsstätten gilt die Technische Regel ASR A2.1. Danach müssen Geländer in der Regel mindestens 1,00 m hoch sein, bei mehr als 12 m Absturzhöhe mindestens 1,10 m.

Muss ein altes, zu niedriges Geländer im Bestand erneuert werden?

Bestehende Geländer genießen grundsätzlich Bestandsschutz. Bei wesentlichen Umbauten, einer neuen Nutzung oder einer konkreten Gefahr kann die Bauaufsicht aber eine Anpassung verlangen. Aus Sicherheitsgründen lohnt sich ein Aufsatzgeländer oft trotzdem.

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