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Ratgeber · Werkstattwissen · Rohrkonstruktion

Rohr ausklinken: der Sattelschnitt von der Schablone bis zur Naht

Beim Ausklinken wird das Ende eines Rohrs so ausgeschnitten, dass es spaltfrei auf dem Mantel eines zweiten Rohrs sitzt. Die Schnittlinie ist eine Sattelkurve; abgewickelt auf Papier ergibt sie eine Schablone, die um das Rohr gelegt und angerissen wird. Entscheidend sind drei Maße: Durchmesser des Hauptrohrs, Durchmesser des Anschlussrohrs und der Winkel zwischen beiden.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Wo Sattelschnitte gebraucht werden

Überall, wo ein Rundrohr stumpf auf ein anderes trifft: Pfosten an Handlauf, Knieleiste an Pfosten, Streben in Rahmen, Abzweige in Rohrleitungen. Ein gerade abgesägtes Rohr läge nur an zwei Punkten an und ließe links und rechts große Spalte. Der Sattelschnitt schließt sie – die Naht wird gleichmäßig, das Bauteil hält und sieht sauber aus.

Die Geometrie in einem Satz

Für jeden Punkt am Umfang des Anschlussrohrs wird berechnet, wie weit er bis zum Mantel des Hauptrohrs reicht. Mit R als Radius des Hauptrohrs, r als Radius des Anschlussrohrs, dem Winkel α zwischen den Achsen und dem Umfangswinkel θ gilt für die Schnitthöhe:

h(θ) = √(R² − (r · sin θ)²) ÷ sin α + r · cos θ ÷ tan α

Bei 90° entfällt der zweite Teil, die Kurve ist symmetrisch mit zwei gleichen Tälern. Bei schrägem Anschluss wird sie einseitig: eine lange Spitze, ein kurzer Sattel. Trägt man h über dem abgewickelten Umfang auf, entsteht die Schablone.

Fall Form der Kurve
gleiche Durchmesser, 90° tiefer Sattel, zwei Spitzen laufen spitz aus
kleines Rohr auf großes, 90° flache Welle, wenig Abtrag
schräger Anschluss (z. B. 45°) eine lange und eine kurze Seite, Schablone unsymmetrisch
Abwicklung eines Sattelschnitts: Rohr 33,7 mm auf Rohr 42,4 mm bei 90°, Umfang 105,9 mm, Hub 8,3 mm
So sieht die Schablone aus: die abgewickelte Sattelkurve für ein Rohr 33,7 mm auf einem Rohr 42,4 mm. Die Höhe ist zur besseren Erkennbarkeit überhöht gezeichnet.

Anreißen

  1. Durchmesser beider Rohre messen, nicht aus dem Katalog nehmen.
  2. Schablone drucken, am 100-mm-Lineal prüfen, an der Außenkontur ausschneiden.
  3. Auf dem Rohr eine Mantellinie anreißen (Winkelprofil anlegen) – daran wird die 0°-Linie der Schablone ausgerichtet.
  4. Schablone stramm umlegen; Anfang und Ende müssen sich genau treffen. Tun sie es nicht, stimmt der Durchmesser nicht.
  5. Kontur mit Reißnadel oder feinem Stift übertragen.

Bei mehreren Abzweigen an einem Rohr müssen die Mantellinien zueinander passen, sonst stehen die Anschlüsse verdreht.

Trennen und Nacharbeit

  • Winkelschleifer mit dünner Trennscheibe: für Einzelstücke, grob vorschneiden und mit der Fächerscheibe auf Riss schleifen.
  • Bandschleifer mit Kontaktrolle im Rohrdurchmesser: schnell und genau bei 90°-Anschlüssen gleicher Rohre.
  • Lochsäge im Ausklinkgerät: sauber, wenn der Sägendurchmesser dem Hauptrohr entspricht.
  • Plasma oder Laser: für Serien; hier dient die Abwicklung als Schnittkontur.

Bei Wandstärken ab etwa 3 mm wird die Kante innen nachgearbeitet, bis das Rohr auch innen anliegt. Ein gleichmäßiger, kleiner Spalt ist besser als ein Rohr, das an einer Stelle hart aufsitzt und an anderer klafft.

Typische Fehler

  • Schablone in falscher Größe gedruckt
  • Schablone um 180° verdreht aufgelegt (bei schrägem Anschluss liegt dann die lange Seite falsch)
  • Nennmaß statt Istmaß verwendet
  • Edelstahl mit Werkzeug bearbeitet, das vorher Baustahl geschliffen hat – das führt später zu Rostflecken

Die Schablone im Maßstab 1:1 erzeugt der Rohrausklinker. Für Ecken ohne Abzweig eignet sich der Gehrungsschnitt.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Warum passt die Schablone nicht, obwohl die Maße stimmen?

Meist wurde nicht in 100 % gedruckt. Viele Druckdialoge verkleinern auf „Seitengröße“. Die Schablone muss mit „Tatsächliche Größe“ gedruckt und am Kontroll-Lineal nachgemessen werden. Zweite Ursache ist der Rohrdurchmesser – geschweißte Rohre weichen vom Nennmaß ab, also immer nachmessen.

Wozu dient die Innenkontur auf der Schablone?

Die Außenkontur ist die Anrisslinie auf dem Rohrmantel. Die Innenkontur zeigt, wo die Innenkante der Wand endet. Bei dickwandigen Rohren liegt dazwischen ein Streifen, der schräg abgetragen wird, damit das Rohr innen wie außen anliegt.

Kann das Anschlussrohr dicker sein als das Hauptrohr?

Nein. Ein dickeres Rohr würde das dünnere umgreifen, die Kurve hätte keinen geschlossenen Sattel mehr. In dem Fall wird umgekehrt gearbeitet oder mit einem Zwischenstück.

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