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Ratgeber · Werkstattwissen · Fertigung

Stangenmaterial zuschneiden: mit Schnittplan weniger Verschnitt

Verschnitt entsteht, wenn Teile ungünstig auf Stangen verteilt werden. Ein Schnittplan legt vor dem Sägen fest, welche Längen aus welcher Stange kommen. Drei Dinge müssen dabei mitgerechnet werden: die Breite des Sägeblatts bei jedem Schnitt, ein möglicher Anschnitt am Stangenanfang und die Frage, ab welcher Länge ein Rest aufgehoben wird. Aus einer 6-m-Stange passen sieben Stäbe von 800 mm, nicht siebeneinhalb.

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Warum sich Planen lohnt

Bei einem Geländer mit 60 Füllstäben, zwölf Pfosten und Gurten kommen schnell hundert Zuschnitte aus fünf verschiedenen Profilen zusammen. Wer Stange für Stange nach Gefühl sägt, hat am Ende viele mittellange Reste und muss eine Stange mehr bestellen. Der Schnittplan dreht die Reihenfolge um: erst rechnen, dann sägen.

Was in die Rechnung gehört

  • Sägeblattbreite: Jeder Schnitt kostet Material. Eine Bandsäge nimmt 1 bis 2 mm, eine Kreissäge 2 bis 3 mm, eine Trennscheibe etwa 1 bis 2,5 mm. Bei sieben Schnitten sind das bis zu 2 cm.
  • Anschnitt: Wird das Stangenende begradigt, verkürzt sich die nutzbare Länge.
  • Tatsächliche Stangenlänge: Handelslängen haben Toleranzen; nachmessen, bevor ein Plan auf den letzten Millimeter aufgeht.
  • Der letzte Schnitt: Endet ein Teil genau am Stangenende, entfällt dort der Schnitt.

Schnittbilder statt Einzelschnitte

Ein Schnittbild beschreibt, wie eine Stange aufgeteilt wird, zum Beispiel „5 × 800 + 3 × 650“. Ziel ist, mit wenigen verschiedenen Schnittbildern auszukommen, die sich oft wiederholen. Das hat zwei Vorteile: Der Säger muss den Anschlag selten verstellen, und gleiche Stangen können im Bündel gesägt werden.

Bedarf Getrennt gesägt Mit Schnittplan
28 × 800 mm 4 Stangen 4 Stangen, je 7 Stäbe, Rest 386 mm
20 × 800 + 12 × 650 mm 5 Stangen 4 Stangen, je 5 + 3 Stäbe, Rest 34 mm
30 × 1.000 mm, 10 mm Anschnitt 6 Stangen 6 Stangen, je 5 Stäbe
Schnittplan für 20 Stäbe von 800 mm und 12 Stäbe von 650 mm aus 6-m-Stangen: 4 Stangen mit je 5 + 3 Stäben statt 5 Stangen bei getrenntem Sägen
Zweite Zeile der Tabelle als Bild: Mit Schnittplan reichen vier Stangen, getrennt gesägt sind es fünf. Gold ist der Rest.

Bündelsägen

Mehrere Stangen werden nebeneinander oder übereinander gespannt und in einem Schnitt getrennt. Das spart Zeit und sorgt für gleiche Längen. Wie viele Stangen in ein Bündel passen, hängt von der Schnittbreite der Säge und vom Profil ab. Wichtig ist, dass das Bündel fest gespannt ist – einzelne Stäbe dürfen sich beim Sägen nicht drehen.

Reste: aufheben oder verschrotten

Ein Rest ist nur etwas wert, wenn er wiedergefunden und wieder gebraucht wird. Bewährt hat sich eine feste Grenze, etwa 200 mm bei Füllstäben: Was länger ist, kommt beschriftet ins Restelager, was kürzer ist, in den Schrott. Beim nächsten Auftrag werden vorhandene Reste zuerst eingeplant – aber nur, wenn sie tatsächlich eine neue Stange einsparen. Sonst erzeugt man aus einem langen Rest nur mehrere kurze.

Reihenfolge an der Säge

  1. Stangen nach Schnittbild sortieren und bündeln.
  2. Anschnitt setzen.
  3. Lange Teile zuerst, kurze zuletzt – so bleibt das Reststück lang genug zum Spannen.
  4. Teile sofort kennzeichnen (Position, Länge), Reste beschriften.

Mehr als Stäbe

Dasselbe Vorgehen gilt für Rohre, Flachstahl und Winkel. Bei Gehrungsschnitten zählt das längste Maß des Teils, und zwei gegenläufige Gehrungen lassen sich ineinander schachteln. Wie viele Stäbe ein Geländerfeld braucht, ergibt sich aus dem Stababstand.

Schnittplan, Bündel, Reste und Schnittmaße ab Stangenanfang berechnet der Zuschnitt-Rechner.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie viele Teile bekomme ich aus einer Stange?

Nutzbare Länge plus Blattbreite, geteilt durch Teillänge plus Blattbreite, abgerundet. Bei 6.000 mm, 2 mm Blatt und 800 mm Teilen sind das 6.002 ÷ 802 = 7,48, also sieben Teile mit 386 mm Rest.

Lohnt es sich, verschiedene Längen zu mischen?

Fast immer. 20 Stäbe von 800 mm und 12 von 650 mm brauchen getrennt geschnitten fünf Stangen, gemischt nur vier – jede Stange liefert dann fünf lange und drei kurze Stäbe mit 34 mm Rest.

Was ist ein Anschnitt?

Der erste Schnitt, mit dem das Stangenende gerade und sauber gemacht wird. Stangen kommen oft mit schrägem oder gequetschtem Ende vom Händler; 5 bis 10 mm Anschnitt sind üblich und müssen von der nutzbaren Länge abgezogen werden.

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