Ab wann die Sicherung Pflicht ist
Die Landesbauordnung NRW verlangt eine Umwehrung für Flächen, die zum Begehen bestimmt sind und unmittelbar an mehr als 1 m tiefer liegende Flächen grenzen (§ 38 Absatz 1). Der Fußboden hinter einem bodentiefen Fenster ist eine solche Fläche. Gemessen wird vom fertigen Fußboden innen bis zum Gelände oder zum Dach darunter.
Für Fenster nennt § 38 Absatz 3 eigene Werte: Die Brüstung muss mindestens 0,80 m hoch sein, bei mehr als 12 m Absturzhöhe mindestens 0,90 m. Geringere Brüstungshöhen sind zulässig, wenn ein Geländer oder eine andere Vorrichtung die Mindesthöhen für Umwehrungen einhält. Das ist der Fall des französischen Balkons.
Wie hoch die Sicherung sein muss
| Situation | Absturzhöhe | Mindesthöhe |
|---|---|---|
| Gemauerte oder feste Brüstung unter dem Fenster | bis 12 m | 0,80 m |
| Gemauerte oder feste Brüstung unter dem Fenster | über 12 m | 0,90 m |
| Geländer vor bodentiefem Fenster | 1 m bis 12 m | 0,90 m |
| Geländer vor bodentiefem Fenster | über 12 m | 1,10 m |
Bezugspunkt ist die Oberkante des fertigen Fußbodens im Raum. Wer das Geländer vor dem Estrich oder vor dem Bodenbelag aufmisst, muss den Aufbau einrechnen. Warum, erklärt der Ratgeber Geländerhöhe.
Ein Sonderfall ist die Brüstung, die knapp zu niedrig ist – etwa 60 cm im Altbau. Hier genügt oft eine Stange oder ein niedriges Geländer über der Brüstung, das die fehlende Höhe ergänzt. Die Fensterbank darf dabei nicht zur Trittstufe werden.
Öffnungen in der Füllung
Die Füllung darf weder zum Durchrutschen noch zum Hochklettern einladen. Das betrifft die Abstände zwischen den Stäben, den Spalt zwischen Unterkante und Boden und den Spalt zwischen Geländer und Wand. Diese Maße sind für alle Geländer gleich und im Ratgeber zur 12-cm-Regel beschrieben; die Stabzahl für die eigene Fensterbreite liefert der Stababstand-Rechner.
In der Laibung oder auf der Fassade
| Befestigung | Vorteil | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| In der Laibung | unauffällig, kurze Hebelarme | Randabstand der Dübel im Mauerwerk, Platz neben Rollladen- und Raffstoreschienen |
| Vor der Fassade | Fenster öffnet ohne Einschränkung, Laibung bleibt frei | tragfähiger Untergrund hinter Putz oder Dämmung, Abdichtung jedes Bohrlochs |
| Am Fensterrahmen | keine Bohrung in der Wand | nur mit Systemnachweis; das Fenster muss selbst absturzsichernd montiert sein |
In der Laibung sitzen die Dübel nah an der Mauerkante. Bei Lochsteinen und Porenbeton entscheidet die Zulassung des Dübels über Randabstand und Tragfähigkeit. Häufig ist ein Injektionsanker nötig.
Bei der Montage vor der Fassade trägt das Geländer über Laschen oder Konsolen neben dem Fenster. Die Schrauben liegen sichtbar und müssen zur Optik passen.
Welche Lasten die Befestigung trägt
Ein Geländer wird für eine waagerechte Last auf Holmhöhe bemessen. Die Lastnorm DIN EN 1991-1-1 unterscheidet nach Nutzung: Für Wohnräume werden üblicherweise 0,5 kN je Meter angesetzt, für Bereiche mit Publikumsverkehr 1,0 kN je Meter und mehr. Dazu kommt der Fall, dass ein Mensch gegen das Geländer stürzt. Die ETB-Richtlinie „Bauteile, die gegen Absturz sichern“ beschreibt dafür einen weichen Stoß und nennt als Ersatzlast 2,8 kN je Befestigungselement.
Welche Werte im Einzelfall gelten und ob Wand und Dübel sie aufnehmen, weist ein Tragwerksplaner oder der Hersteller eines geprüften Systems nach.
Stäbe oder Glas
- Senkrechte Stäbe: robust, günstig zu fertigen, klarer Nachweis. Der Blick nach draußen wird durch die Stäbe gegliedert.
- Glas: freier Blick, auch im Sitzen. Absturzsichernde Verglasungen fallen unter die DIN 18008-4; verwendet wird Verbundsicherheitsglas. Glas, Halter und Befestigung brauchen einen gemeinsamen Nachweis.
- Lochblech oder Flachstahl: Sichtschutz von der Straße, dafür weniger Licht im unteren Fensterbereich.
Beim Fenstertausch
Fenster und Türen einschließlich ihrer Öffnungen sind in NRW verfahrensfrei (§ 62 Absatz 1 Nummer 11). Die Pflicht zur Absturzsicherung bleibt davon unberührt. Drei Dinge werden beim Tausch oft übersehen:
- Aus der Brüstung wird ein bodentiefes Element. Mit der Brüstung entfällt die Sicherung. Das Geländer gehört dann zum Auftrag, nicht in die Nacharbeit.
- Das alte Gitter hing am alten Rahmen. Neue Profile sind anders aufgebaut. Ob die vorhandene Sicherung wieder montiert werden kann, klärt sich vor dem Ausbau.
- Neue Rollläden oder Raffstores brauchen Platz. Führungsschienen belegen die Laibung genau dort, wo sonst die Befestigung säße.
Am besten sprechen Fensterbauer und Metallbauer vor der Bestellung der Fenster miteinander.
Bei Wärmedämmung
Eine nachträgliche Dämmung macht die Laibung schmaler und schiebt die Fassadenebene nach außen. Ein vorhandener französischer Balkon passt danach selten wieder. Wird neu gedämmt, werden die Befestigungspunkte vor dem Dämmen auf das Mauerwerk gesetzt. Druckfeste, thermisch getrennte Elemente überbrücken die Dämmschicht. Wie das im Einzelnen geht, steht im Ratgeber Montage an Wärmedämmung.
Quellen
- Landesrecht NRW: Landesbauordnung 2018, Fassung ab 1. September 2026 – § 38 Umwehrungen, § 62 Verfahrensfreie Bauvorhaben
- Fachzeitschrift metallbau (Sekundärquelle zu ETB-Richtlinie und DIN 18008-4): Absturzsichernde Bauelemente
Dieser Ratgeber gibt den Stand vom Oktober 2026 wieder und ersetzt weder die Auskunft der Bauaufsicht noch einen statischen Nachweis. Ausführungen und ein gebautes Beispiel zeigt die Seite Französischer Balkon und Stahlportal; zu Glas siehe Glasgeländer. Pfostenteilung und Füllung lassen sich mit dem Geländer-Planer vorab durchspielen.