Drehtor oder Schiebetor
| Merkmal | Drehtor | Schiebetor |
|---|---|---|
| Platz | Schwenkfläche hinter dem Tor in Flügelbreite | freier Streifen neben der Einfahrt, länger als die Durchfahrt |
| Gefälle | problematisch, wenn die Einfahrt ansteigt | unkritisch, der Flügel läuft quer zur Einfahrt |
| Technik | zwei Bänder je Flügel, Anschlag, Bodenriegel | Laufwerk, Führung oben, Einlauf |
| Fundament | je Pfosten ein Fundament | langes Fundament für Rollenböcke oder Laufschiene |
| Aufwand | gering | höher |
| Schnee und Laub | Schwenkfläche muss frei sein | Laufschiene muss frei sein, freitragend unempfindlich |
Ein zweiflügeliges Drehtor halbiert den Schwenkbereich. Wer nur zu Fuß durch will, öffnet einen Flügel. Bei breiten Einfahrten ab etwa 4 m werden die Flügel so lang und schwer, dass ein Schiebetor oft die ruhigere Lösung ist.
Platzbedarf ausmessen
Für das Drehtor zählt die Fläche hinter dem Tor. Steht das Auto regelmäßig in der Einfahrt, muss es weiter hinten parken, als der Flügel lang ist. Auch der Öffnungswinkel braucht Platz: Trifft der Flügel bei 90° auf eine Mauer, braucht er dort einen Anschlag und Abstand für die Hand.
Für das Schiebetor zählt der Streifen entlang des Zauns. Er muss auf ganzer Länge gerade und frei sein – keine Hecke, kein Stromkasten, kein Mülltonnenplatz. Bei Eckgrundstücken und schmalen Reihenhausgrundstücken fehlt dieser Streifen häufig.
Gefälle in der Einfahrt
Maßgeblich ist das Gefälle in zwei Richtungen:
- Längs zur Einfahrt, zum Haus hin steigend: Der Drehflügel setzt beim Öffnen auf. Abhilfe schaffen ein Schiebetor oder ein nach außen öffnender Flügel auf eigenem Grund.
- Quer zur Einfahrt, entlang der Straße: Das Drehtor bekommt unten einen schrägen Abschluss oder einen ungleichen Bodenabstand. Das Schiebetor braucht eine waagerechte Laufbahn; der Höhenunterschied wird über einen Sockel oder eine schräge Unterkante ausgeglichen.
Der Bodenabstand ist immer ein Kompromiss: groß genug für Schnee und Pflasterunebenheiten, klein genug, damit kein Hund hindurchläuft.
Pfosten und Fundamente
Ein offener Drehflügel hängt wie ein Kragarm am Pfosten. Sein Gewicht greift in der Flügelmitte an. Für einen Flügel von 2 m Breite und 80 kg ergibt das:
80 kg × 9,81 m/s² × 1,0 m ≈ 785 Nm, also rund 0,8 kNm.
Dieses Moment drückt den Pfostenkopf dauerhaft in Richtung Einfahrt. Dazu kommt der Wind auf den geschlossenen Flügel. Bei einer blickdichten Füllung ist er oft die größere Last. Gibt der Pfosten nur wenige Millimeter nach, senkt sich die Flügelspitze sichtbar und das Schloss trifft nicht mehr.
Daraus ergeben sich die Regeln für die Ausführung:
- Pfosten aus Rechteck- oder Quadratrohr mit ausreichender Wandstärke, bei schweren Flügeln ausbetoniert oder mit Fußplatte auf dem Fundament verschraubt.
- Fundamentsohle frostfrei, als Mindestmaß gelten 80 cm unter Gelände.
- Bei zweiflügeligen Toren ein Erdbalken oder eine Schwelle zwischen den Pfosten, wenn der Boden weich ist – so können sich die Pfosten nicht zueinander neigen.
- Einstellbare Bänder, damit der Flügel nach dem Setzen des Fundaments nachgerichtet werden kann.
Beim freitragenden Schiebetor trägt ein einzelnes, langes Fundament die beiden Rollenböcke. Das Tor hängt dort wie eine Wippe; das Fundament muss das Kippmoment des ganzen Flügels aufnehmen. Bei großen Toren bemisst ein Tragwerksplaner Fundament und Pfosten.
Flügelgewicht und Füllung
Das Gewicht kommt aus Rahmen und Füllung. Senkrechte Stäbe und Flachstahl sind leicht und lassen den Wind durch. Lochblech hält je nach Lochanteil einen Teil des Winds zurück. Geschlossenes Blech und Holz wirken wie ein Segel und machen den Flügel schwer. Wer Sichtschutz möchte, plant Pfosten, Bänder und Antrieb von Anfang an dafür.
Ein Diagonalstab oder ein steifer Rahmen verhindert, dass der Flügel mit den Jahren zur Spitze hin absackt.
Antrieb und Sicherheit
Mit einem Antrieb wird aus dem Tor ein kraftbetätigtes Tor. Für dessen Nutzungssicherheit gilt die DIN EN 12453. Wer Tor und Antrieb zusammenfügt, ist für die Sicherheit des Ganzen verantwortlich und dokumentiert sie.
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.7 beschreibt, worum es geht. Quetsch- und Scherstellen müssen bis in 2,50 m Höhe gesichert sein. Dafür kommen in Frage:
- Abdeckungen und Verkleidungen an den Schließkanten,
- schaltende Schutzeinrichtungen wie Schaltleisten und Lichtschranken,
- eine Begrenzung der Kräfte, die der Flügel erzeugt,
- eine Steuerung ohne Selbsthaltung, bei der das Tor nur läuft, solange der Taster gedrückt ist.
Für die spätere Nachrüstung lohnt es, beim Bau Leerrohre zu beiden Pfosten zu legen, Befestigungspunkte für den Antrieb vorzusehen und feste Endanschläge zu setzen. Geschlossene Füllungen brauchen stärkere Antriebe, weil der Wind gegen den Motor arbeitet.
In Betrieben werden kraftbetätigte Tore vor der ersten Inbetriebnahme und danach mindestens einmal jährlich von Sachkundigen geprüft; das Ergebnis wird aufgezeichnet.
Wartung
- Bänder und Laufrollen jährlich prüfen und nach Herstellerangabe schmieren
- Laufschiene, Einlauf und Bodenanschlag von Laub, Splitt und Eis freihalten
- Schrauben an Bändern, Schloss und Antrieb nachziehen
- Beschichtung auf Schäden prüfen und Kratzer ausbessern, bevor Zink und Stahl offen liegen
- bei Antrieben: Lichtschranke und Schaltleiste auf Funktion testen, Notentriegelung ausprobieren
Wie Verzinkung und Pulverbeschichtung zusammenwirken, steht im Ratgeber Oberflächenveredelung.
Quellen
- Landesrecht NRW: Landesbauordnung 2018, Fassung ab 1. September 2026 – § 62 Verfahrensfreie Bauvorhaben
- BGN: ASR A1.7 „Türen und Tore“, Abschnitt 6 und Abschnitt 10
Dieser Ratgeber gibt den Stand vom Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Auskunft der Bauaufsicht. Bauarten, Füllungen und Sichtschutz zeigt die Seite Tore, Zäune und Sichtschutz. Wer das Tor mit einem Stellplatz plant, findet die Freigrenzen für Carports im Ratgeber Genehmigungsfrei bauen in NRW; die Stabteilung einer Füllung berechnet der Stababstand-Rechner.