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Ratgeber · Werkstattwissen · Balkonbau

Balkon nachträglich anbauen: so wird geplant

Ein nachträglicher Balkon wird meist als Vorstellbalkon gebaut: Er steht auf eigenen Stützen mit frostfreien Fundamenten und wird am Haus nur gehalten. In NRW braucht er in der Regel eine Baugenehmigung. Tritt er höchstens 1,60 m vor die Wand, nimmt er höchstens ein Drittel der Wandbreite ein und bleibt er 2 m von der gegenüberliegenden Nachbargrenze entfernt, zählt er bei den Abstandsflächen nicht mit (§ 6 BauO NRW).

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe

Dipl.-Ing. (FH) Thorsten W. Recklebe
Aktualisiert am

Drei Bauarten

Bauart Lastabtragung Eingriff in die Wand Geeignet für
Vorstellbalkon vier Stützen tragen alles nur Halteanker Altbau, gedämmte Fassade, mehrere Geschosse übereinander
Anbaubalkon zwei Stützen vorn, Auflager an der Wand tragende Konsolen oder Wandträger tragfähige Wand, wenig Platz am Boden
Kragbalkon Konsolen oder Zugstäbe an der Wand hohe Lasten in Wand und Decke Neubau oder nachgewiesene Decke, kleine Tiefen

Im Baurecht heißt der Balkon auf Stützen auch „Altan“. Für das Nachrüsten ist er die Regel, weil niemand in die Geschossdecke eingreifen muss.

Stützen und Fundamente

Jede Stütze steht auf einem Einzelfundament. Die Sohle liegt frostfrei; als Mindestmaß gelten 80 cm unter Gelände. Die Größe ergibt sich aus der Last und dem Boden.

Die Last ist höher, als viele erwarten. Für Balkone wird nach der Lastnorm DIN EN 1991-1-1 mit nationalem Anhang üblicherweise eine Nutzlast von 4,0 kN je Quadratmeter angesetzt. Ein Balkon von 3 m × 1,60 m hat 4,8 m² und damit rund 19 kN Nutzlast, also knapp zwei Tonnen. Hinzu kommen Eigengewicht, Belag, Schnee und Wind. Wie sich das auf Stützen, Träger und Fundamente verteilt, berechnet der Tragwerksplaner.

Vor dem Ausheben ist zu klären:

  • Wo liegen Hausanschlüsse, Regenwasserleitungen und Drainage?
  • Steht eine Stütze vor einem Kellerfenster oder Lichtschacht?
  • Ist der Boden gewachsen oder aufgefüllt? Neben dem Haus liegt oft die verfüllte Baugrube.
  • Bleibt unter dem Balkon die Terrasse nutzbar, oder stehen die Stützen im Weg?

Anschluss an das Haus und Wärmebrücke

Beim Vorstellbalkon nehmen die Wandanker nur waagerechte Kräfte auf. Sie sind klein und lassen sich mit thermisch getrennten Elementen durch eine Dämmung führen. Beim Anbaubalkon und beim Kragbalkon tragen die Wandanschlüsse dagegen Gewicht. Jeder Stahlträger, der ungedämmt in die Wand läuft, leitet im Winter Wärme nach außen und kühlt die Wand innen ab. Deshalb werden tragende Anschlüsse thermisch getrennt ausgeführt. Was das heißt, erklärt der Ratgeber Montage an Wärmedämmung.

Zwischen Balkon und Fassade bleibt eine Fuge von einigen Zentimetern. So läuft Wasser nicht an der Wand hinunter, und der Putz bleibt hinter dem Balkon erreichbar.

Zum Balkon gehört eine Tür. Wird ein Fenster zur Balkontür, fällt die Brüstung weg. Der Sturz über dem Fenster bleibt, die Öffnung wird nur nach unten verlängert. Heizkörper, Rollladen und Leitungen in der Brüstung müssen vorher geklärt sein.

Belag und Entwässerung

Es gibt zwei Wege, mit Regen umzugehen:

  • Offener Belag: Dielen aus Holz, WPC oder Aluminium mit Fugen oder Gitterroste lassen das Wasser durch. Das ist einfach und leicht, aber darunter wird es nass. Über einer Terrasse oder einem zweiten Balkon ist das selten erwünscht.
  • Geschlossener Belag: Eine dichte Ebene mit Gefälle führt das Wasser zu einer Rinne an der Vorderkante und von dort über ein Fallrohr ab. Für die Abdichtungsebene von Balkonen wird ein Gefälle von 1,5 Prozent empfohlen. Das Fallrohr läuft an einer Stütze nach unten und braucht einen Anschluss oder eine Versickerung.

Bei übereinander stehenden Balkonen ist der geschlossene Belag Standard. Die Rinne gehört zur Stahlkonstruktion und wird mit ihr geplant, nicht nachträglich angeschraubt.

Geländer

Ein Balkon im Obergeschoss liegt immer mehr als 1 m über dem Gelände und braucht ein Geländer. Die Höhe wird ab Oberkante des fertigen Belags gemessen – die Aufbauhöhe von Dielen oder Platten zählt mit. Höhen und Abstände stehen im Ratgeber Geländerhöhe, die Schritte von der Pfostenteilung bis zur Füllung unter Geländer planen.

Am Stahlbalkon werden die Pfosten seitlich an den Randträger geschraubt. Das spart Fläche auf dem Balkon und hält die Befestigung aus dem Wasser.

Genehmigung in NRW

Ein neuer Balkon steht nicht in der Liste der verfahrensfreien Vorhaben des § 62 BauO NRW. Er braucht in der Regel einen Bauantrag. Drei Stellen im Gesetz sind für die Planung wichtig:

  • Abstandsflächen (§ 6 Absatz 6): Vorbauten bleiben außer Betracht, wenn sie insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Breite der jeweiligen Außenwand einnehmen, nicht mehr als 1,60 m vortreten und mindestens 2 m von der gegenüberliegenden Nachbargrenze entfernt bleiben.
  • Bauvorlagen (§ 67 Absatz 2): Für Balkone und Altane, die bis zu 1,60 m vor die Außenwand vortreten, müssen die Bauvorlagen nicht von einem bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser stammen.
  • Erneuerung (§ 62 Absatz 1 Nummer 11): Die Erneuerung von Balkonen und ihr Ersatz durch Altane auf dem eigenen Grundstück sind verfahrensfrei, wenn eine berechtigte Person die statisch-konstruktive Unbedenklichkeit bescheinigt.

Der Bebauungsplan kann Baugrenzen festlegen, die ein Balkon nicht überschreiten darf. Bei Eigentumswohnungen muss außerdem die Eigentümergemeinschaft zustimmen, weil die Fassade Gemeinschaftseigentum ist.

Der Ablauf

  1. Bauamt fragen: Gilt ein Bebauungsplan, wo liegt die Baugrenze, wie weit ist es zur Nachbargrenze?
  2. Entwurf: Größe, Bauart, Lage der Stützen, Tür, Belag, Geländer.
  3. Tragwerksplanung: Standsicherheitsnachweis für Balkon, Fundamente und Wandanschluss.
  4. Bauantrag und Wartezeit auf die Genehmigung.
  5. Aufmaß und Werkstattplanung: Die Konstruktion entsteht im CAD, abgestimmt mit dem Tragwerksplaner.
  6. Fundamente betonieren und aushärten lassen.
  7. Fertigung und Verzinkung der Stahlteile; zu den Verfahren siehe Oberflächenveredelung.
  8. Montage: Stützen und Rahmen stellen, am Haus verankern, Belag und Geländer montieren.
  9. Balkontür einbauen – am besten abgestimmt auf die fertige Belagshöhe.

Quellen

Dieser Ratgeber gibt den Stand vom Oktober 2026 wieder und ersetzt weder die Auskunft der Bauaufsicht noch einen statischen Nachweis. Bauarten und Beläge zeigt die Seite Balkone aus Stahl, Geländerausführungen die Seite Balkongeländer. Zum Vorplanen: Geländer-Planer und Stababstand-Rechner.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Ist ein Vorstellbalkon genehmigungsfrei?

Nein, ein neuer Balkon ist in NRW nicht verfahrensfrei. Verfahrensfrei sind Balkonverglasungen und Balkonüberdachungen bis 30 m² sowie die Erneuerung eines vorhandenen Balkons mit Bescheinigung. Mehr dazu im Ratgeber Genehmigungsfrei bauen in NRW.

Wie tief darf ein Balkon sein?

Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Bis 1,60 m Tiefe gelten aber Erleichterungen bei den Abstandsflächen. Größere Balkone lösen eigene Abstandsflächen aus und müssen dann weiter von der Grenze entfernt bleiben.

Welche Bauart belastet die Hauswand am wenigsten?

Der Vorstellbalkon auf vier Stützen. Er trägt sein Gewicht selbst und wird an der Wand nur gegen Kippen und Verschieben gehalten. Das macht ihn zur ersten Wahl bei Altbauten und gedämmten Fassaden.

Wer plant und wer berechnet den Balkon?

Den Standsicherheitsnachweis erstellt ein Tragwerksplaner, den Bauantrag ein bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser. Für Balkone bis 1,60 m Tiefe sieht § 67 BauO NRW eine Ausnahme von der Bauvorlageberechtigung vor. Der Metallbauer liefert Konstruktion und Werkstattzeichnungen.

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